Ökologischer Ackerbau im Sennesand

Ackerbau und Grünlandwirtschaft nach Bioland-Richtlinien – das ist gar nicht so einfach, tut aber dem Boden und der Umwelt gut. Denn der Einsatz von chemischen Pestiziden, synthetischen Düngemitteln und gentechnisch veränderten Organismen ist bei uns tabu.

 

Uns reicht die Natur wie sie ist. Durch die Nutzung natürlicher Regulationsmechanismen halten wir Wildkräuter und Schädlinge in Schach. Voraussetzung ist, dass die Kulturen zu unserem recht armen Sandboden passen.

Entscheidend ist dabei die Fruchtfolge, die wir auf unseren 210 ha Flächen einhalten. Am Anfang steht das zweijährige Kleegras als bodenaufbauende Frucht. Dann folgen die Starkzehrer Mais und Kartoffeln, im folgenden Jahr Roggen und Triticale mit Zwischenfrucht, danach Lupinengerstengemenge oder Mais und noch mal der eher anspruchslose Roggen mit anschließender Zwischenfrucht. Erneut beginnt dann der Zyklus mit der Aussaat des Kleegrases unter der Deckfrucht Sommergerste. Als abfrierende Winterzwischenfrüchte setzen wir Ackersenf oder Ölrettich ein. Als Futterzwischenfrüchte säen wir Landsberger Gemenge (bestehend aus Zottelwicke, Inkarnatklee und Welschem Weidelgras) oder Einjähriges Weidelgras aus.

 

Gut Wilhelmsdorf Roggen
Ulrich Schumacher und Johannes Berger

Ökolandbau ist modern

Gut Wilhelmsdorf Kartoffeln

Gedüngt wird immer in kleinen Gaben mit unserer eigenen Biogasgülle. Sie wird zu Beginn und während der Vegetation schonend und emissionsmindernd mit Schleppschläuchen oder Schleppschuhen ausgebracht und sorgt für ein gesundes Wachstum der Pflanzen. So schließt sich der Nährstoffkreislauf im Betrieb.  

Die meisten Kulturen, die wir ernten, nutzen wir als Futter für unsere Kühe und Jungrinder. Kartoffeln und Brotroggen dienen natürlich direkt der menschlichen Ernährung.

 

Durch diese Vielfalt auf dem Acker und die Anbaupausen für die jeweiligen Früchte können sich die Schaderreger und Beikräuter nicht so stark vermehren, dass sie zum Problem werden. So reicht es aus, mit Netzegge und Hacke die Kulturen sauber zu halten – und das letzte Kräutlein wollen wir ja auch gar nicht weg haben. Eine leichte Wildkrautflora ist auf dem Bioacker durchaus erwünscht. Denn sie sorgt auch für Vielfalt bei Insekten und anderen Lebewesen. Im Biolandbau geht man davon aus, dass sich dadurch vieles von selbst reguliert.

 

Jetzt könnte man meinen, Ökolandbau ist die Landwirtschaft von gestern. Aber das Gegenteil ist der Fall. Moderne Landtechnik ist heute auch im Ökolandbau normal und durch seine positiven Umweltwirkungen gilt er als wegweisend für die gesamte Landwirtschaft – eben Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Und die Entwicklung geht weiter: ständig werden im Ökolandbau die Verfahren weiter verfeinert, auch mit Hilfe der Forschung und moderner Technik, aber bei Einhaltung der naturschonenden Prinzipien.


Grünlandwirtschaft – 
Grundlage der ökologischen Milchviehhaltung

Gut Wilhelmsdorf Grasernte

120 ha Grünland – das hört sich für jeden Bauern schon mal nach vielen Kühen an. Und so ist es. Das Grünland – die Wiesen und Weiden – dienen den Kühen und Jungrindern als Futtergrundlage. Sie machen aus ansonsten nicht verwertbarem Gras und Kräutern wertvolle Lebensmittel wie Milch und Fleisch. 

 

Ökologische Grünlandwirtschaft verlangt viel Wissen über Zusammenhänge. Der „reine Tisch”, den man im Ackerbau durch das Pflügen regelmäßig erreicht, ist hier nicht möglich. Da Grünland eine Dauerkultur ist, erfolgt die Steuerung des Pflanzenbestandes eher indirekt. Durch die Grünlandpflege, angefangen von der Grabenpflege zur Wasserregulierung bis hin zum Walzen und Schleppen im Frühjahr, durch Nachsaaten und eine angepasste Nutzung und ausgewogene Düngung erhalten wir bestes Futter. Im Ökolandbau ist der Weißklee ein wichtiger Partner im Grünland. Er sorgt als Leguminose nicht nur dafür, dass Stickstoff mit Hilfe der Sonnenenergie in den Boden kommt, er ist auch als Futterpflanze äußerst wertvoll. Die Kühe und Rinder lieben ihn.


Grasernte auf Gut Wilhelmsdorf

Im Sommer ernten die Kühe einen Teil des Futters selbst, indem sie auf der Weide grasen. Nach den Niederschlägen im Frühjahr und Sommer wächst das Gras sogar auf dem Sennesand ganz gut und die Ernte der Aufwüchse auf den Wiesen und Kleegrasflächen steht an. Nachdem es gemäht, anschließend gezettet und geschwadet (in Reihen gezogen) worden ist, wird das angewelkte Mähgut mit Ladewagen oder Silierwagen in die Siloanlage auf dem Hofgelände gefahren. Im Silo wird es mit Schleppern verdichtet und zum Schluß luftdicht abgedeckt, so dass eine Milchsäuregärung stattfinden kann. So werden drei bis vier Schnitte in der Vegetationsperiode geerntet. 

 

Die daraus entstehende Silage dient als Futtergrundlage für die Stallfütterung unserer Tiere. Ergänzt wird die Grassilage durch Mais, der im Herbst ebenfalls gehäckselt und siliert wird, und durch hofeigene Kraftfuttermischungen bestehend aus Getreide, Lupinen, Rapskuchen und Mineralfutter.