Hofneuigkeiten März und April 2021

Wann gibt es wieder direkte Diskussionen mit unseren Kunden?

Ostern steht vor der Tür und eine Ende bei Corona ist leider immer noch nicht in Sicht. Wie schön wäre es, endlich mal wieder Hofführungen zu haben. Wir vermissen die Diskussionen im direkten Gespräch. Denn es zeigt sich immer wieder, dass unsere Kunden ein tiefes Interesse und Mitgefühl den Tieren gegenüber und einen außergewöhnlich guten Informationsstand haben. Dann machen kritische Nachfragen Freude und wir geben uns Mühe, fundiert und ehrlich zu antworten! Wie es zu Zeiten von Corona ist, findet die Diskussion dann eben digital statt. Bestimmt interessiert den Einen oder die Eine von Ihnen ein Auszug aus einem Emailverlauf mit einer Kundin, der den Lebensweg unserer Kälber erklärt und darauf eingeht, warum unsere Kühe keine Hörner haben:

Die Haltung von behornten Tieren ist bei uns v.a. aus zwei Gründen nicht sinnvoll. Unser Stall hat zwar ein sehr hohes Tierwohlniveau (plus Weidegang im Sommerhalbjahr), aber die Laufgangbreiten (die wir nicht ändern können) sind für behornte Tiere zu schmal (Baujahr 1988). Die Ausweichdistanz ist für die rangniederen Tiere während der Stallzeit zu gering. Bei einem Neubau für behornte Tiere arbeitet man mit wesentlichen größeren Gangbreiten. Rangkämpfe mit Hörnern würden bei uns zu viele Verletzungen bei den Tieren hervorrufen (was das Abgangsalter reduziert) und auch ein größeres Verletzungsrisiko für uns und unsere Mitarbeiter nach sich ziehen. Daher drängt auch unsere Berufsgenossenschaft gerade in Mitarbeiterbetrieben darauf, mit hornlosen Rindern zu arbeiten, denn immer noch führen Stoßverletzungen bei Landwirten häufig zu Arbeitsunfällen (auch wir hatten in den letzten 20 Jahren zwei sehr schwere Unfälle mit Rindern). Auch wenn man diese Auseinandersetzungen - meist mit Bullen oder brünstigen Tieren - verhindern kann, ist jeder einzelne schwere Unfall möglichst auszuschließen. Wir arbeiten daher mit genetisch hornlosen Tieren oder enthornen sie im Kälberalter tierschutzgerecht unter tierärztlicher Narkose. Bei einem Neubau, der in ca. 10 Jahren geplant ist, würden wir aber neu überlegen, denn tatsächlich ist das Enthornen ein Kompromiß  zwischen Tierwohl, Tierschutz und Arbeitssicherheit.

Unsere Kälber gehen unterschiedliche Wege. Die weiblichen Milchviehkälber (Schwarzbunte, Rotbunte, Jerseys) bleiben auf dem Hof und dienen der Nachzucht. Einen Teil der Nachzucht verkaufen wir aber auch an andere Bio-Betriebe. Die Kreuzungskälber, die meist von unserem Deckbullen abstammen (z.Zt. ein Angusbulle von einem Bioland Betrieb in Bad Pyrmont),  vermarkten wir zum großen Teil "in der Nachbarschaft", da es hier einige Nebenerwerbsbnetriebe mit Rinderhaltung gibt, die diese gerne nehmen. Schwarzbunte Bullenkälber und einen kleinen Teil der Kreuzungskälber vermarkten wir an den Viehhandel Bornhöft in Steinhagen. Von dort gehen diese entweder an Mastbetriebe im Kreis Gütersloh oder in die Kälbermast, die heute überwiegend in Niedersachsen stattfindet. Wir sind aber gerade dabei, unsere Rinderschlachtungen für die Direktvermarktung bei unserem Schlachter Ralf Wyrwal in Schloß Holte weiter auszubauen und dadurch auch einen größeren Teil der anfallenden Kälber langfristig selber oder in Kooperation mit anderen Biobetrieben in der Region zu mästen. Das Koppelprodukt Rindfleisch gehört zur Milch dazu.

Viel Input für alle, die es genau wissen wollen. Wir wünschen frohe Ostern im kleinen Familienkreis! Bleiben Sie gesund.

Ihre Wilhelmsdorfer Bio-Bäuerinnen und -Bauern