Hofneuigkeiten Juni 2021

Erfreulicher 1. Schnitt auf Gut Wilhelmsdorf

Nach langer Regenpause kam in der letzten Woche die Sonne wieder zurück und das enge Zeitfenster haben wir bestmöglich genutzt: Bei uns auf dem Acker ging es auf Hochtouren weiter. Die übrigen Grünlandflächen wurden gemäht und das Gras ins Silo gefahren, Gülle wurde ausgebracht, der letzte Mais wurde gelegt und der schon gelegte Mais erstmals gehackt.

Viel Regen im Mai ist für uns Milchbauern ein großer Segen, denn Wasser ist unabdingbar für ein gutes Wachstum vom Kleegras, dem wichtigsten Futter unserer Tiere hier auf dem Hof. In diesem Jahr war die beim ersten Schnitt geerntete Menge im Vergleich zu den beiden Vorjahren außergewöhnlich viel. Das lässt hoffen, dass der Klimawandel nicht ausschließlich trockene Dürrejahre hervorbringt. Wenn wir aufgrund von Mindererträgen unsere Tiere nicht mehr mit eigenem Grundfutter satt bekommen, wird es für uns teuer. Für andere Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls geringe Futtermengen hatten, war es eine Option, den Bestand zu reduzieren. Bei uns ist dies schwieriger. Immerhin haben wir eine eigene Milchverarbeitung und kaufen hierfür keine Milch zu. Daher müssen wir in der Landwirtschaft immer mindestens die Milchmenge bereitstellen, die in der eigenen Molkerei gebraucht wird. Ansonsten können wir unsere Kunden nicht mehr beliefern. Um ausreichend Milch zu erzeugen, haben wir deshalb im vergangenen Jahr viel Futter von Bio-Kolleginnen und -Kollegen zugekauft. Dies wird sich in diesem Jahr allen Anschein nach nicht wiederholen. Zum Glück! Unser Anspruch ist schließlich, dass wir lokale Futterressourcen nutzen und das Futter unserer Tiere keine weiten Strecken zurücklegt.

Zum Zeitpunkt des Schneidens standen der Inkarnatklee und die Wicke vom Landsberger Gemenge in voller Blüte. Das lässt nicht nur viele vorbeiziehende Menschen bewundernd anhalten, sondern auch Insekten besuchen die nektarreichen Blüten. Außerdem ziehen sich viele Wildtiere in den hohen Aufwuchs zurück. Wenn wir dann schneiden, wird einem wieder bewusst, dass der Biolandbau zwar positive ökologische Effekte erzielt (Blütentracht, Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit) und nutzt (Fruchtfolge, Symbiose von Leguminosen mit Knöllchenbakterien zur Stickstofffixierung), um auf chemischen Dünger und Pflanzenschutz verzichten zu können, aber immer auch ein Eingriff in die Natur bedeutet. Ökolandbau zielt in erster Linie auf die Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln ab. Dieses Ziel geht auch bei uns im Biolandbau nicht immer Hand in Hand mit dem geringsten Eingriff in das Ökosystem auf dem Feld. Um den Insekten und dem Wild wenigstens einige Fluchtmöglichkeiten zu bieten, lassen wir dann aber ungemähte Streifen am Feldrand stehen. Ein Kompromiss zwischen Ökologie und Landwirtschaft.

Wir wünschen einen guten Sommerstart! Bleiben Sie gesund.

Ihre Wilhelmsdorfer Bio-Bäuerinnen und -Bauern