Ökolandbaupreis 2015 für Wilhelmsdorf

 

Als nachträgliches Geschenk zur Bielefelder 800 Jahr Feier wird der Bioland-Betrieb Gut Wilhelmsdorf auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin am 22.1.15 durch Bundesminister Schmidt mit dem Siegerpreis des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2015 ausgezeichnet. In der Kategorie Gesamtbetriebskonzept überzeugte der Bioland Milchviehbetrieb die Jury.

Der bekannte Milchviehbetrieb in der Bielefelder Senne wird von den beiden Agraringenieuren Johannes Berger und Ulrich Schumacher seit 1995 langfristig als Pachtbetrieb bewirtschaftet. Verpächter der 1882 von Pastor von Bodelschwingh gegründeten ehemaligen Arbeiterkolonie ist die Stiftung Bethel. In wenigen Jahren wurde konsequent neben der Biolandwirtschaft die hofeigene Verarbeitung, die Energieerzeugung mit Biogas und Solarstrom, die Direktvermarktung und die Öffentlichkeitsarbeit immer weiter ausgebaut. Die Naturschutzaktivitäten werden mit der Biostation Senne, örtlichen Naturschutzvereinen und den Naturschutzbehörden in Bielefeld und Gütersloh entwickelt.



Sandboden, Weiden, viel Regen – da geht was mit Kühen

Grundlage des Betriebes sind in jeder Hinsicht die 220 Milchkühe und deren Nachzucht. Durch die artgerechte Außenklimahaltung mit viel Weidegang, guter Fütterung  und bester Betreuung werden hohe Milchleistungen von knapp 9000 kg FCM erzielt. Gülle und Mist dienen neben etwas Pferdemist und Futterresten als Substrat für die 190 kW Biogasanlage und anschließend als Dünger. Das Futter wird ganz überwiegend auf den 210 ha Acker und 120 ha Dauergrünland selbst erzeugt. Auf den armen Sandböden können  neben Kleegras, Mais, Roggen, Triticale, Sommergerste, Lupinen, Kartoffeln und Zwischenfrüchte wie Landsberger Gemenge angebaut werden.  Drei kleinere landwirtschaftliche Betriebe und eine Gärtnerei, die unmittelbar angrenzen, wirtschaften inzwischen ebenfalls nach Bioland-Richtlinien und vermarkten Ihre Produkte über Wilhelmsdorf. „Wir sind inzwischen ein Biodorf,” so beschreibt Johannes Berger die Situation in der ansonsten von großer Flächenknappheit und hohen Pachtpreisen geprägten Region.

 

Biomilch für Bielefeld

Von der Wilhelmsdorfer Molkerei aus werden fast alle Kindergärten, die meisten Lebensmitteleinzelhändler, viele Gemeinschaftsverpflegungen, einige Gastronomen  sowie zahlreiche Privatkunden in Bielefeld und Umgebung mit Frischmilch und Joghurt versorgt. „Unsere blaue Eiche kennt in Bielefeld jedes Kind, weil sie auf unseren Milchbullis und den Milchkartons überall im Stadtgebiet zu sehen ist”, erklärt Betriebsleiter Johannes Berger. Über den eigenen Biolieferdienst gibt es auch das gesamte Naturkostsortiment. Dabei wird beim Zukauf auf regionale Beschaffung von Bioland Betrieben gesetzt, soweit das geht.

Über 500 Kunden bekommen inzwischen wöchentlich bis zu zweimal die „Wilhelmsdorfer Biokiste”. Ein spezielles Angebot ist hier die Kochkiste mit wöchentlich wechselnden Menüvorschlägen und allen dazugehörigen Zutaten. „Was koche ich heute? Diese Frage nehmen wir den Familien heute zumindest zeitweise ab,” sagt Tanja Ingensand, zuständig für die Rezepte und Zusammenstellung im Online Shop.

Der Biohofladen wird inzwischen von Michael Hillmann bewirtschaftet und bietet neben einem vollen Sortiment auch ein Gartencafe und regelmäßige Kulturveranstaltungen an. 

 

Biolandwirtschaft transparent machen

Die enge Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen und Erwachsenengruppen im Rahmen der Naturschule Bielefeld, viele Hoffeste und das alljährliche Erntedankfest sorgt für eine hohe Bekanntheit des Wilhelmsdorfer Betriebes in der Region. Ulrich Schumacher: „Wir haben nichts zu verbergen, zeigen alle Bereiche des Betriebes und gehen auf alle Fragen ein. Das sehen wir als lokale Vermarkter als eine unserer Hauptaufgaben, denn viele Mitmenschen haben sich heute von der Lebensmittelerzeugung entfremdet und der Wissensbedarf und das Interesse ist einfach da.” Regelmäßige Pressemitteilungen, der wöchentliche Newsletter und die aktuelle Homepage des Betriebes ergänzen das Angebot für Interessierte.  

 

Von 3 auf 45 - Arbeitskraftmotor Ökolandbau

Aus den anfänglichen 3 Arbeitskräften sind inzwischen über 45 Menschen in Voll- und Teilzeit mit Spezialaufgaben in den unterschiedlichen Bereichen beschäftigt. Angefangen von der praktischen Landwirtschaft, der Energieerzeugung,  über die Verarbeitung, Vermarktung und Distribution bis hin zur Betreuung der vielen Besuchergruppen und zur Buchhaltung funktioniert der Wilhelmsdorfer Betrieb heute nur mit motivierten Menschen, die gerne hier arbeiten. „Wir setzen auf gut ausgebildete Mitarbeiter in einem engagierten Team und können so die vielen Spezialaufgaben gut erledigen,” erläutert Ulrich Schumacher das Personalkonzept des Betriebes. 

 

„Landbau der Zukunft” - es geht weiter

„In diesem Jahr feiern wir 20 Jahre Bioland Gut Wilhelmsdorf,” so Johannes Berger, „und  für die nächsten Jahre haben wir noch viele neue Ideen und man darf gespannt sein, was sich in Wilhelmsdorf auch in Zukunft so tut.”