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Die Erhaltung der Biodiversität ist ein aktuelles Thema– so auch auf der UN-Vertragsstaatenkonferenz zur biologischen Vielfalt, die im Mai in Bonn stattfand. Der Begriff der Biodiversität umfasst sowohl die Vielfalt der Lebensräume und Arten auf der Erde als auch die genetische Vielfalt. Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, dem mittlerweile 190 Vertragspartner angehören, soll den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität regeln sowie Vorteile ausgleichen, die aus der Nutzung genetischer Ressourcen entstehen. Bezogen auf unsere Region bedeutet dies die Verpflichtung zum Schutz der Vielfalt an Arten und Lebensräumen, für die eine besondere Verantwortung besteht. Sie umfasst nicht nur die heimischen Pflanzen- und Tierarten, sondern auch die regionaltypischen Landschaftstypen und die verschiedenen Kulturpflanzen-Sorten und Nutztier-Rassen.

„Auf allen Ebenen geht die Vielfalt weltweit und auch lokal dramatisch zurück. Dies hat unabsehbare Folgen für nachfolgende Generationen, denn nur durch den Schutz der Biodiversität auf allen Ebenen kann das ökologische Gleichgewicht vor Ort erhalten bleiben, können Gen-Reserven erhalten und neue Sorten und Rassen gezüchtet werden, die sich der Mensch zunutze macht, können natürliche Arzneimittel entwickelt werden. Hinzu kommt, dass heute viele Arten, die in Zukunft möglicherweise für die Menschheit zu nutzen sind, noch gar nicht entdeckt sind,“ so Frank Ahnfeldt, Mitarbeiter der Biostation Hövelhof-Senne, die verschiedene Naturschutzmaßnahmen in Eckardtsheim durchgeführt und begleitet hat.
Claudia Quirini vom Naturwissenschaftlichen Verein ergänzt: „Der Schutz der Biodiversität bezieht sich nicht nur auf wildlebende Arten und natürliche Lebensräume, sondern auch auf vom Menschen gemachte Ökosysteme, also auf unsere Kulturlandschaft mit ihren im Laufe der Kulturgeschichte eingewanderten und angepassten Arten. Hier findet in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Verarmung statt. Die landwirtschaftliche Nutzfläche wird im Allgemeinen durch immer weniger Kulturen geprägt. Während noch in den 1970er Jahren auf fast jedem Betrieb einen Vielzahl an Ackerkulturen angebaut wurde, nehmen heute Mais, Raps und Weizen den allergrößten Anteil ein.“
Dass sich Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion nicht ausschließen müssen, zeigen ökologisch wirtschaftende Betriebe. Sie machen sich die Eigenschaften und Wirkungen der unterschiedlichen Kulturen zunutze, nutzen auch extensives artenreiches Grünland und können so auf Pestizide und synthetische Stickstoffdünger verzichten. Gleichzeitig lassen sie durch die rein mechanische Bearbeitung der Flächen auch den Ackerwildkräutern eine „Überlebenschance“.
Ein Beispiel sind der Bioland-Betrieb Gut Wilhelmsdorf und die benachbarte Bioland- Gärtnerei Eckardtsheim. Auf dem Sennesand werden nicht nur 100 ha Dauergrünland in unterschiedlichster Intensität und Ausprägung mit Milchkühen und deren Nachzucht bewirtschaftet. Auf den über 200 ha Ackerflächen in Eckardtsheim, im Mühlgrund und im Schillingshof findet man Roggen, Mais, Kleegras, Lupinen, frühe und späte Kartoffeln, Sommergerste, Ackerkleegras und neuerdings auch Buchweizen – eine alte Kulturpflanze, die auch auf sehr nährstoffarmen Böden, Heide- oder Moorgegenden, gedeiht und seit dem 15ten Jahrhundert in Deutschland angebaut wurde.
„Der Buchweizenanbau ist für uns auch ein Experiment, da wir erst wieder Erfahrungen damit machen müssen. Sicher ist aber, dass diese Pflanze aus der Familie der Knöterichgewächse in früheren Zeiten eine wichtige Kultur der armen Sennebauern war“, so Ulrich Schumacher, Landwirt in Wilhelmsdorf. „Und wir können so neben den Milchprodukten und unserem Käse das regionale Angebot für unsere Biokunden weiter auszubauen.“
Auch in der Gärtnerei wachsen zahlreiche Gemüsekulturen, von deren tollem Geschmack man sich überzeugen lassen kann. „Frische Tomaten aus Eckardtsheim gibt es im Wilhelmsdorfer Hofladen. Sie haben keine Flugkilometer hinter sich und sind einfach unvergleichlich lecker,“ erzählt Jörg Viemann, Leiter der Bioland-Gärtnerei, nicht ohne Stolz.
Gemeinsam haben die beiden Eckardtsheimer Betriebe mit Unterstützung des Naturschutzzentrums Senne in den letzten Jahren Obstbäume und Hecken gepflanzt - ebenfalls ein wichtiger Beitrag für mehr Artenvielfalt in der Landschaft.
Bei einem Pressegespräch mit den Wilhelmsdorfer Landwirten, Jörg Viemann von der Gärtnerei, Claudia Quirini vom Naturwissenschaftlichen Verein Bielefeld und Frank Ahnfeldt vom Naturschutzzentrum Senne am 13. Juni 2008 um 11 Uhr auf dem Gut Wilhelmsdorf sollen die verschiedenen Kulturen in Wilhelmsdorf und Eckardtsheim vorgestellt und Aspekte zum Thema Artenvielfalt erläutert werden.
Nähere Informationen unter www.gut-wilhelmsdorf.de
Verantwortlich:
Frank Ahnfeldt
Naturschutzzentrum Senne
Junkernallee 20
33161 Hövelhof
0171/2736734
05257/940905
Claudia Quirini
Naturwissenschaftlicher Verein Bielefeld
0521-172434
Jörg Viemann
Bioland Gärtnerei Eckardtsheim
Paracelsusweg, 33689 Bielefeld
0521-144-1671
Ulrich Schumacher
Gut Wilhelmsdorf
Verler Str. 258, 33689 Bielefeld
05205-8790033