Milchprodukte zu teuer!

In den Medien wird im Moment viel über die teurer werdenden Milchprodukte debattiert. Von bis zu 50 % Preisaufschlägen ist die Rede. Doch was ist da wirklich dran?

Für uns Milchbauern – egal ob bio oder konventionell - sind die Milchpreise in den letzten Jahren nicht gestiegen. Sie bewegten sich in 2006 gar auf dem Niveau der siebziger Jahre. Nur durch starke Rationalisierung und geringere Einkommen konnten die auch bei der Milcherzeugung steigenden Kosten aufgefangen werden. Sehr viele Milchbauern haben in den letzten Jahren aufgegeben, weil sie selbst bei größter Sparsamkeit nicht mehr rentabel wirtschaften konnten.
Durch eine jahrelange Überproduktion – die Milchmenge ist ja über die Quotenregelung für jeden Betrieb in der EU festgelegt - bewegten sich die Preise auf unterstem Niveau und damit waren auch die Verbraucherpreise von Milchprodukten äußerst günstig.  

Inzwischen haben sich jedoch die Verhältnisse geändert. Im Moment sind fast alle landwirtschaftlichen Produkte auf dem Weltmarkt knapp. Ein wichtiger Grund ist, dass der Bedarf v.a. in den Schwellenländern China und Indien viel stärker wächst als die Produktion. Hinzu kommen Missernten in wichtigen Regionen wie Australien, die sich auch auf die dortige Milchproduktion auswirken.
Doch was hat das mit den Preisen in Deutschland und dem Biolandbau zu tun? Seit jeher werden Milch und andere Agrarprodukte aus der EU exportiert. Gleichzeitig werden aber auch Futtermittel und Fleisch importiert. Die weltweit knappen Flächen und die teurer werdende Energie führen zu einer deutlichen Verknappung und damit Verteuerung von Futtermitteln und anderen pflanzlichen Produkten. Der Getreidepreis ist beispielsweise im konventionellen und im Biolandbau parallel in den letzten zwei Jahren um 100 % gestiegen. Und dies wirkt sich natürlich auch auf die sehr flächenabhängige Milcherzeugung aus.

In der Bio-Milcherzeugung wollen wir regional erzeugen und vermarkten und uns beeinflussen die Weltmarktbedingungen nur indirekt. Aber der wachsende Biomarkt – übrigens der am stärksten wachsende Bereich in der Lebensmittelerzeugung – hat einen starken Nachfrageüberhang und steigende Erzeugungskosten durch teureres Biofutter, strenger werdende Richtlinien und steigende Energie- und Personalkosten zur Folge. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die ökologische Milcherzeugung die Rohmilch gegenüber der konventionellen Produktion lediglich um ca. 8 Cent je Liter verteuert.   

So kommt es, dass wir von unseren Molkereien seit langem einen besseren Preis mit dem Zielwert 45 cent je Liter fordern. Für den Endverbraucher wirkt sich dies aber nur in geringem Umfang aus, denn 10 Cent Aufschlag je Liter Milch oder für ein Joghurtglas – hierauf wird die Preisbildung hinauslaufen -  halten wir insbesondere für die weitere Verbesserung der Haltungsbedingungen unserer Tiere und zur Kostendeckung für dringend notwendig. Dass wir kostenbewusst erzeugen, um die Preise erschwinglich zu halten, ist aber weiterhin selbstverständlich für uns, denn wir wollen, dass sich jeder Biomilch leisten kann. Mit jedem Liter Wilhelmsdorfer Biomilch halten Sie 2,5 qm Fläche pestizidfrei und tragen zu einer artgemäßen Nutztierhaltung in Ihrer Region bei.  

Ihre Milchbauern von Gut Wilhelmsdorf